Nach einer langen Reise mit Zwischenstopp in Kuala Lumpur bin ich endlich zusammen mit Chiara in Hanoi angekommen. Die Visakontrolle erfolgreich durchlaufen, schlug mir das tropisch heiße Klima direkt entgegen.
Gefühlte 45 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit waren nur schwer zu ertragen. Im ganzen August war das Wetter so heiß und unangenehm. In Gebäuden wiederum war es zum Teil so kalt durch die Klimaanlagen, dass man gefroren hat. Besonders immer der Wechsel zwischen den Temperaturen ist anstrengend für den Körper. In der ersten Zeit habe ich mich auch öfter sehr schlapp und einfach nicht gut gefühlt. Im Nachhinein betrachtet lag das wohl unter anderem an der Umstellung des Essens, mehrere andere Austauschstudenten haben genauso wie ich am Anfang an Gewicht verloren. Als wir angefangen haben mehr auch etwas „Westliches“ zu essen, wurde es besser und ich hatte wieder mehr Energie.
Den ersten Monat hatten wir ein Apartment schon aus Deutschland gemietet. Aus dem 19. Stock heraus war die Aussicht auf Hanoi überragend, sodass ich immer wieder einfach nur vor dem Fester stand und verrückt chaotischen Straßenverkehr, den Sonnenunter- oder aufgang beobachtete oder bei zahlreichen tropischen Gewittern gar nicht mehr aus dem Staunen herauskam. Auch ansonsten habe ich mich sehr wohl in dem Apartment gefühlt, jedoch hätten wir nur zu teureren Konditionen verlängern können, sodass wir uns ein anderes Apartment gesucht haben (aber dazu wann anders mehr). So schön die Unterkunft auch war, man war doch sehr isoliert und weit weg vom tatsächlichen täglichen Leben der Vietnamesen.

Der Kulturschock am Anfang war schon groß, zu dem ungewohnten Klima kommt der chaotische Straßenverkehr mit so vielen Mopeds, wie ich sie noch nie auf einmal gesehen habe. Roller fahren ist hier das günstigste Transportmittel, vor allem sind Vietnamesen echt kreativ wenn es darum geht möglichst viel zu transportieren. Immer wieder bin ich erstaunt drüber, dass man zum Beispiel zwei Matratzen oder 10 Kästen Bier oder auch eine ganze Familie mit zwei Erwachsenen und zwei bis drei Kindern auf einem Motorroller transportieren kann! Auch sonst wird sich hier eher wenig an Straßenregeln gehalten, sodass das Überqueren einer Straße gerade am Anfang eine echte Herausforderung dargestellt hat. Generell hier zu Fuß rum zu laufen ist eher schwierig und macht quasi kein Vietnamese. Die „Bürgersteige“ sind zwar vorhanden, aber meistens unbegehbar durch geparkte Mofas, sogenannte „Street Vendors“ (meistens Frauen, die um über die Runden zu kommen etwas Obst oder andere Güter verkaufen), oder einfach Müll, der an die Straßenränder geworfen wird und täglich nachts aufgesammelt wird.



Was ich auch nicht erwartet hätte, wie wenig Menschen außerhalb der Touristengebiete hier Englisch sprechen. Die Kommunikation in Läden oder Restaurants läuft also oft über eine Übersetzer App, was manchmal schwierig sein kann, aber eigentlich doch immer irgendwie funktioniert. Schnell lernte ich den Satz „Tôi ăn chay“, was so viel heißt wie „ich esse vegetarisch“. Für diesen Satz erntete ich oft irritierte, ungläubige Blicke oder ein Lachen, aber in jedem Restaurant bekommt man wenigstens Reis mit Tofu und Spinat.
Dadurch kann man meine ersten Eindrücke zusammenfassen mit: Hanoi ist laut, Hanoi ist bunt, Hanoi ist chaotisch und stinkt. Trotzdem genieße ich die Zeit hier sehr, da es eine komplett neue Erfahrung für mich ist, in einer so großen Metropole mit über 6 Mio. Menschen zu leben und einem dadurch vor Augen geführt, welche noch so kleinen Dinge im Alltag in Deutschland eben nicht selbstverständlich sind für viele Menschen.



